Ich habe diesen Ausflug an einem freien Nachmittag gebucht, ohne mir viel dabei zu denken. Ich rechnete mit einem typischen Souvenirladen samt kleinem Rundgang – das, was man bei den meisten Fabrikführungen in Touristengebieten eben bekommt.
In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um einen echten „Bean-to-Bar“-Betrieb (von der Bohne bis zur Tafel), und die Führung geht direkt durch die tatsächlichen Produktionsräume. Allerdings habe ich bei der Buchung einen Fehler gemacht, der mich den besten Teil des Erlebnisses gekostet hat. Wie ich später in den Bewertungen anderer Besucher gelesen habe, bin ich damit keineswegs der Einzige.
Hier ist also mein Erfahrungsbericht über die 95 Minuten und was ich beim nächsten Mal anders machen würde.
- Schnelle Antwort: Der Schokoladen-Workshop auf Phu Quoc bei Bittersweet in Cửa Lấp ist seinen Preis von etwa 18 € absolut wert, besonders mit Kindern oder an einem verregneten Nachmittag. Es handelt sich um einen echten Bean-to-Bar-Hersteller und nicht bloß um ein Geschäft mit aufgesetzter Tour. Die Dauer beträgt etwa 95 Minuten. Buchen Sie unbedingt die Option inklusive vollständiger Verkostung und Kakaolikör, da die günstigere Variante genau den Teil auslässt, der allen in Erinnerung bleibt.
- Ablauf der 95 Minuten:
- Zuerst der Kakaogarten, etwa zehn Minuten, kürzer als die Fotos vermuten lassen.
- Danach die Produktionsräume: Rösten, Mahlen, Temperieren, Gießen.
- Sie stellen Ihre eigene heiße oder kalte Kakaospezialität her. Nur Kuhmilch, keine pflanzlichen Alternativen.
- Schokoladengießen, verpackt zum Mitnehmen für zu Hause, plus ein Zertifikat.
- Verkostung am Ende – wie viel Sie probieren dürfen, hängt von Ihrer gebuchten Option ab.
- Was ich anders machen würde:
- Gönnen Sie sich die höhere Option mit Likör-Verkostung und 20 Pralinen. Der Preisunterschied ist gering und die Verkostung das eigentliche Highlight.
- Gehen Sie früher am Tag und nicht an einem Sonntag.
- Lassen Sie etwas Platz im Gepäck, denn der Shop bietet ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als alles in Dương Đông.
- Was einem keiner sagt: Der Kakao wächst gar nicht auf Phu Quoc. Auf dieser Insel wird Pfeffer angebaut. Die Kakaobohnen stammen aus dem Mekong-Delta und dem zentralen Hochland, und der Garten vor Ort dient lediglich als Schaugarten.
- Details: Hẻm Sô Cô La, Cửa Lấp. 4,7 von 5 Sternen bei über 500 Google-Bewertungen. Ca. 95 Minuten. Kein Hoteltransfer.
Anreise und was Sie vor Ort erwartet
Die Adresse lautet Hẻm Sô Cô La in Cửa Lấp, was übersetzt „Schokoladengasse“ heißt und vermutlich nach der Manufaktur benannt wurde und nicht umgekehrt.
Es gibt keinen Abholservice vom Hotel, planen Sie also die Fahrt mit Grab ein. Von Cửa Lấp oder vom zentralen Strandabschnitt des Long Beach kostet es nur wenig Geld. Von Ông Lang oder ganz aus dem Süden ist es etwas teurer.
Bittersweet hat den Workshop Anfang 2023 eröffnet und ist der erste Schokoladenhersteller der Insel.
Es ist ein kleiner, bewusst überschaubarer Betrieb, der sowohl 5-Sterne-Resorts auf der Insel beliefert als auch eigene Schokoladentafeln verkauft.
Ich war schon ein paar Mal am Laden vorbeigelaufen, ohne zu merken, dass sich dahinter eine kleine Fabrik befindet – das gibt Ihnen eine Vorstellung von der Größenordnung.
Eine vorherige Buchung wird dringend empfohlen. Die Termine finden zu festen Zeiten über den Tag verteilt statt. Gruppen ab 8 bis 12 Personen oder mehr können auch private Termine direkt vereinbaren – nützlich zu wissen, wenn Sie als Familie reisen und den Tisch lieber für sich alleine haben möchten.



Der Kakaogarten und das Detail, das niemand erwähnt
Die Tour beginnt im Garten und ist mit etwa 10 Minuten der kürzeste Teil.
Man spaziert zwischen den Bäumen und erfährt Hintergründe darüber, wie der Kakao nach Vietnam kam und wie er angebaut wird. Die Kakaofürchte wachsen direkt am Stamm heraus – ein Detail, das die meisten Besucher überrascht, mich eingeschlossen. Sie sehen seltsam aus, irgendwo zwischen einem Rugbyball und einer Papaya, und verfärben sich je nach Reifegrad von Grün zu Rot.
Was ich vor meinem Besuch nicht wusste und was kaum jemand laut ausspricht: Das ist nicht der Ort, aus dem der Kakao für die Produktion stammt.
Kakao ist schlichtweg keine typische Pflanze auf Phu Quoc. Auf der Insel wächst Pfeffer. Die Bohnen für die Manufaktur stammen aus dem Mekong-Delta und dem zentralen Hochland, wo vietnamesischer Kakao tatsächlich kultiviert wird – meist im Schatten von Kokospalmen und geerntet etwa von April bis Mai sowie von Oktober bis November. Das eigene Tafelsortiment ist nach diesen Regionen benannt, was man auf den Etiketten leicht erkennt.
Der Gründer hat dies in der vietnamesischen Presse ganz offen eingeräumt. Logistisch wären Hanoi oder Saigon einfacher gewesen, aber er entschied sich für Phu Quoc, weil er die Marke fest mit der Insel verbinden wollte. Eine durchaus nachvollziebare Entscheidung.
Der Garten ist also ein reiner Schaugarten und keine funktionierende Plantage. Dennoch sind die zehn Minuten lohnenswert, da die wenigsten Menschen je eine frische Kakaofrucht gesehen haben.
Wenn für Sie jedoch der Reiz darin lag, ein regionales Inselprodukt von der Ernte am Baum bis zur fertigen Tafel zu begleiten, ist dies nicht der Fall – und es wäre gut gewesen, das schon vorher zu wissen.






Einblick in die Manufaktur
Nacheinander durchläuft man die Produktionsräume: Rösten, Mahlen, Temperieren, Gießen. Die Maschinen sind klein und überschaubar, aber es sind echte Anlagen und sie liefen bei meinem Besuch – was sich als wichtiger herausstellte, als mir im ersten Moment bewusst war.
Sonntag ist der einzige Tag, an dem die Fabrik ruht. Der Workshop findet zwar statt, aber die Produktion steht still. Es gibt also kein Rösten zu beobachten und keinen Kakaotee zum Probieren.
Besucher, die an einem Sonntag dort waren, berichten von einer Führung an stillstehenden Fließbändern – was natürlich nur der halbe Spaß ist. Ich war rein zufällig an einem Werktag dort.
Wenn Ihr Reiseplan etwas Flexibilität zulässt, legen Sie Ihren Besuch bewusst auf einen Wochentag vormittags, wenn im Betrieb gearbeitet wird.
Was ich aus diesem Teil mitgenommen habe, ist die Erkenntnis, wie langwierig dieser Prozess eigentlich ist. Schokolade gehört zu den Produkten, bei denen die Spanne zwischen dem Konsum und der Herstellung riesig ist. Das Erleben der Bohnen in den einzelnen Phasen schließt diese Lücke. Ein Bean-to-Bar-Betrieb in dieser nahbaren Größenordnung ist selten zu finden.
Das Rösten ist die entscheidende Phase: Rohkakao riecht und schmeckt noch überhaupt nicht nach Schokolade. Alles, was man mit dem Begriff verbindet, entsteht erst in diesem Schritt. Danach folgt stundenlanges Mahlen und schließlich das Temperieren – der feine Prozess, bei dem die Schokolade präzise erwärmt und abgekühlt wird, damit sie später mit einem schönen Knacken bricht, statt stumpf und krümelig zu werden. Das ist genau der Schritt, an dem Hobbyköche zu Hause scheitern.
Die Gruppe war klein. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt, aber in meiner Gruppe waren es weniger als 10 Personen, sodass es sich nie wie Massenabfertigung anfühlte.
Der Tisch im Verkostungsraum bietet allerdings deutlich mehr Plätze. In der Hauptsaison dürfte es also voller werden, was das Erlebnis sicherlich etwas verändert.





Schokolade selber machen
Es gibt zwei praktische Abschnitte, die beide sehr einfach gehalten sind.
Zuerst bereitet man ein Kakaogetränk zu (kalt oder heiß), was eher ein Zusammenmischen als echtes Handwerk ist. Wichtig zu wissen: Es wird ausschließlich Kuhmilch verwendet, es gibt keine pflanzlichen Alternativen.
Danach folgt das Gießen der Schokolade. Man gießt die Masse in Formen, fügt Toppings hinzu, dekoriert, und am Ende wird alles hübsch verpackt samt Zertifikat überreicht. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich – ideal, wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, aber etwas anspruchslos, wenn Sie gehofft hatten, etwas über die Kunst des Temperierens zu lernen. Bei der höheren Buchungsoption gießt man 20 Stück statt nur einer Handvoll.
Hätte ich ein siebenjähriges Kind dabei gehabt, wäre dies das absolute Highlight gewesen. Für Erwachsene ist es eine nette, kurze Aktivität. Am Ende fragte ich mich allerdings kurz, ob das Ganze primär auf Kinder ausgerichtet ist. Die anschließende Verkostung gab darauf die Antwort.







Die Verkostung und der Fehler, den ich gemacht habe
Ich hatte die günstigere Option gebucht. Diese beinhaltet den Garten, die Führung, das Schokoladengießen und eine heiße Schokolade. Nicht enthalten sind hingegen das vollständige Verkostungssortiment sowie der Kakaolikör – beides ist der höheren Preiskategorie vorbehalten. In der Beschreibung steht zwar, dass der Likör optional ist, allerdings an einer Stelle, über die man leicht hinwegliest.
Ich bekam eine heiße Schokolade und ein paar Kleinigkeiten zum Probieren – genug, um zu merken, was ich verpasst hatte. Das Sortiment reicht von dunklen Single-Origin-Tafeln bis hin zu Sorten mit typisch vietnamesischen Zutaten. Die fruchtige Säure, für die vietnamesischer Kakao bekannt ist, kommt bei den höheren Prozentzahlen deutlich zur Geltung.
Wenn Ihr Maßstab handelsübliche Supermarktschokolade ist, wirken die dunklen Sorten im ersten Moment recht kräftig und leicht säuerlich. Das liegt an der Bohne selbst. Richtig spannend wird es bei den verfeinerten Sorten – Jasmin und Zitrus waren die beiden Varianten, die ich am Ende gekauft habe.
Das ist, soweit ich das beurteilen kann, auch der Grund, warum die Online-Bewertungen so weit auseinandergehen. Die meisten sind begeistert. Ein paar sind verärgert, und diese Kritikpunkte sind sehr spezifisch: kein Röstvorgang zu sehen, kaum Erklärungen, einfaches Pralinengießen ohne Anleitung, versprochene Likörverkostung nicht enthalten. Der Betreiber hat auf mindestens eine dieser Beschwerden öffentlich geantwortet, sich entschuldigt und eingeräumt, dass die Aufklärung vor Ort lückenhaft war.
Wenn man diese negativen Rezensionen liest, beschreiben die meisten die günstige Buchungsoption mit den Erwartungen der teuren. Die Lösung liegt schon bei der Buchung und kostet nur minimal mehr: Zahlen Sie den kleinen Aufpreis.



Der Shop am Ende ist für Inselverhältnisse fair bepreist. Wer essbare Mitbringsel sucht, ist mit den Schokoladentafeln wesentlich besser beraten als mit den üblichen Pfeffer- oder Fischsaucen-Geschenkboxen vom Flughafen.
Hinter dem Geschäft gibt es außerdem eine Bar (unabhängig vom Workshop), die ich auch in meinem Artikel zum Nachtleben auf Phu Quoc als eine der wenigen Adressen erwähnt habe, die etwas anderes als Bier am Strand bieten.
Lohnt sich der Schokoladen-Workshop in der Schokoladenmanufaktur auf Phu Quoc?
Für ca. 18 € und 95 Minuten Zeitaufwand: Ja, absolut – vorausgesetzt, Sie buchen das richtige Paket.
Am meisten lohnt es sich für Familien. Schokolade selbst zu gestalten hält Kinder perfekt auf Trab, das Zertifikat kommt gut an und niemand muss stundenlang stillsitzen.
Der zweitbeste Grund ist ein verregneter Tag. Von Mai bis Oktober fallen Bootstouren wetterbedingt oft aus und man sucht nach Indoor-Aktivitäten, von denen es auf Phu Quoc nicht allzu viele gibt. Dieser Workshop kostet fast nichts, dauert unter zwei Stunden und findet unabhängig vom Wellengang statt.
Der dritte Grund: Sie interessieren sich dafür, wie Lebensmittel hergestellt werden. Diese Zielgruppe zieht den größten Nutzen daraus, denn die Einblicke in die Produktion sind der stärkste Teil der Tour und auch ohne anschließendes Schokoladenessen spannend.
Bei einem 3-tägigen Aufenthalt würde ich den Workshop auslassen. Die Zeit nutzt man besser auf dem Wasser, aus den Gründen im Artikel 3 vs. 5 Tage auf Phu Quoc. Auch wenn Sie bereits woanders an einem Schokoladen-Workshop teilgenommen haben, können Sie auf diesen verzichten, da der Maßstab hier klein ist und wenig Neues bietet.
Ein Vergleich bietet sich noch an: Ein Kochkurs auf Phu Quoc ist zeitlich ein ganz anderes Kaliber – er dauert einen halben Tag, beginnt oft auf dem Markt oder im Garten und endet mit dem gemeinsamen Essen. Troc’s Kitchen liegt nur wenige Minuten von der Schokoladenmanufaktur entfernt in Cửa Lấp, und The Hidden befindet sich weiter nördlich in Ông Lang. Der Schokoladen-Workshop füllt eine freie Lücke im Tagesprogramm. Ein Kochkurs füllt einen ganzen Tag. Welcher Kurs sich lohnt, ist ein längeres Thema für einen eigenen Artikel.
Falls Sie den Workshop besuchen, schreiben Sie mir gerne, welche Option Sie gebucht haben und ob die Verkostung Ihren Erwartungen entsprochen hat. Genau bei diesem Punkt scheint die Manufaktur uneinheitlich zu sein, was oft den Unterschied zwischen einem gelungenen Nachmittag und einer Ein-Stern-Bewertung ausmacht.
Mich würde auch interessieren, ob mittlerweile eine milchfreie Option für das Kakaogetränk angeboten wird, da dies leicht umzusetzen wäre. Weitere Tipps für Regentage finden Sie in unserer vollständigen Übersicht der Aktivitäten auf Phu Quoc.









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